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Alinbu Blog Alles in Butter!

Druck! ... oder nicht Druck?
In welcher Dosis Druck im Arbeitsumfeld förderlich ist

 

Fragen sie Führungskräfte zu dem Thema Druck und sie erhalten üblicherweise folgende Aussagen:

  • Ohne Deadlines wird nichts passieren.
  • Es ist eine Frage der Balance zwischen Zuckerbrot und Peitsche.
  • Nur unter Druck entstehen Diamanten!
  • Ich selbst brauche einen gewissen Druck, um zu funktionieren.

Wir können diese Liste wohl noch um weitere Antworten ergänzen. Wenn ich im Rahmen von Executive Coachings das Thema Druck anspreche und danach frage, ob Druck nun positiv oder negativ ist und ob einfach nur die Dosis das Gift macht, dann bekomme ich die letzte Antwort meist wie aus der Pistole geschossen.

Zeit, sich einmal genauer mit dem Thema Druck auseinanderzusetzen: Was passiert eigentlich auf biologischer und psychologischer Ebene, wenn wir unter Druck geraten?

Was ist Druck und wie wird er aufgebaut?

Wenn ich ein Glas Wasser auf einem Tisch verschieben möchte, übe ich einfach physikalischen Druck aus und das Glas setzt sich in Bewegung, um dem Druck auszuweichen.

Druck auf einen Menschen auszuüben mit der Absicht, diesen in Bewegung zu setzen, wird im Arbeitsalltag hoffentlich nicht physikalisch geschehen, sondern psychologisch. Ob das so viel besser ist, sei dahingestellt. Der „Pate“ würde sagen, „ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann“. Man verknüpft die Anweisung explizit oder implizit mit einer Konsequenz.

Um es auf den Punkt zu bringen, man generiert eine Drohkulisse. Auch wenn einem selbst und manchmal nicht einmal dem Empfänger der Anweisung dies bewusst ist. Dass das subtil läuft und man sich dessen nicht bewusst ist, ändert nichts an der Tatsache, dass ein biologischer Prozess anläuft.

Wie wir auf Druck und Angst biologisch reagieren

Druck wird über Konsequenzandrohung und somit über Angst erzeugt. Explizit oder implizit. Mit der Angst ist das so eine Sache. Evolutionsbedingt kennt unser System nur eine Art von Angst, auf die alles zurückgeführt wird: die Angst vor dem Tode. Es folgt dann eine biologisch messbare Reaktion. Über Hormonausschüttungen wird das ganze System ideal auf die Entscheidung „Kampf oder Flucht“ hin eingestellt. Das ist gut. Zumindest, wenn tatsächlich Todesgefahr bestehen würde ...

Wenn nicht, dann wurde ein Fehlalarm bzw. eine Überreaktion ausgelöst. Unsere Aufmerksamkeit ist voll und ganz darauf fokussiert. Ein reflektiertes Denken, Kreativität, Konzentration auf die eigentlich geforderte Aufgabe, all das wird geschwächt! Wichtig ist in diesem Moment die Entscheidung zwischen Kampf mit oder Flucht vor der Bedrohung. Man hat Angst, macht sich Sorgen und ist abgelenkt. Alles in allem keine produktive Atmosphäre.

Die emotionale Konsequenz von Druck

Neben dieser biologischen Wirkung kommt eine tiefenpsychologische, emotionale Wirkung hinzu. Der in tiefen Schichten in Todesangst resultierende Druck bildet hier eine eigene Dynamik. Ganz schlicht gefragt: Ist jemand, der ihnen mit dem Tode droht Freund oder Feind? Und: Würden sie dieser Person vertrauen?

All das läuft auf tiefen, eher unbewussten Ebenen ab. Dort „lebt“ Vertrauen. Druck führt daher zu einem Vertrauensverlust zumindest zu einem (weiter) eingeschränkten Vertrauen. Von der Wirkung auf (intrinsische) Motivation bei der Zielperson einmal abgesehen!

"Aber ich habe da ganz andere Erfahrungen, wie kommt das?"

In Workshops und Coachings wird mir dann so gut wie immer das berühmte „Aber“ serviert. Eigentlich gleich zwei „Aber“:

„Wenn ich keinen Druck mache, funktioniert hier gar nichts.“

Ja! Das mag sein, weil zuvor keine intrinsische Motivation im Team vorhanden war. Dann erreicht man mit Druck ein wenig Bewegung, die aufgrund der oben beschriebenen Zusammenhänge eher träge sein wird. Die Qualität der Arbeit ist nicht überragend. Der Fokus des Teams liegt in anderen Bereichen! Und sobald der Druck nachlässt, lässt auch die Bewegung nach und die Atmosphäre hat sich weiter verschlechtert: Es herrscht weniger Vertrauen und die Demotivation hat zugenommen.

„Ich selbst arbeite unter Druck am besten!“

Ja! Auch das mag stimmen. Immer dann, wenn man keine Lust hat, keine Motivation verspürt. Dann „muss“ man sich Druck machen. Man sollte meinen, dass die Konsequenzen und der Schaden in diesem Fall nicht „dramatisch“ sind. Das ist weit gefehlt! Auch hier entsteht Vertrauensverlust. Nämlich Verlust des „Selbst-Vertrauen“. Sich unter Druck zu setzen ist Selbstsabotage.

Wie man ohne Druckanwendung erfolgreich ein Unternehmen leiten kann

Gehen wir nochmal von dem zweiten „Aber“ aus. Dem „Ich arbeite unter Druck am besten!“. Wie könnte man es denn besser machen, ohne sich zu sabotieren? Klingt schwer, denn so haben die meisten Menschen, die ich treffe noch nicht gedacht. Wir haben es nie auf diese Weise betrachtet und gelernt. Die Lösung - halten Sie es wie Pippi:

"Das habe ich ja noch nie gemacht. Das kann ich bestimmt!"
(Pippi Langstrumpf)

Identifizieren sie, was an ihrer Tätigkeit demotivierend ist. Lassen sie diesen Teil weg. Entsteht durch die Unterlassung ein Schaden (das ist nicht zwangsläufig so, sie werden sich wundern), dann finden sie Lösungen, die nicht demotivierend sind. Das ist nur eine Technik, wenn auch sehr effektiv.

Wenn es nicht um sie geht, dann können sie diesen Ansatz ebenfalls verwenden, ohne Top-Down! Geben sie ihrem Team die Autorität, selbständig vorzugehen. Das entfaltet eine andere Dynamik!

Dieses Wissen und diese Zusammenhänge sind die wichtigsten Grundlagen von agilem Arbeiten. Push wird konsequent durch Pull-Mechanismen abgelöst. Im Kanban pullt das Team und ein Push durch das Work-In-Progress-Limit unterbunden. Auch im Scrum-Framework pullt das Entwicklerteam Tickets aus dem Product Backlog ins Sprint Backlog. Durch dieses Selbstmanagement kombiniert mit der Reduktion von Demotivatoren kann sich Motivation entfalten und die Bewegung setzt ohne Druck ein. Die Qualität ist höher, denn es gibt keine störenden Ablenkungen durch biologische oder emotionale Fehlalarme.

Abschließend lässt sich zur Ausgangsfrage sagen: Selbst in kleinen Dosen ist Druck absolut kontraproduktiv. Es ist wie von einem Sprinter zu verlangen, möglichst schnell die 100 Meter zu absolvieren und ihm gleichzeitig Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Arbeiten sie am Organisationsdesign und der Organisationsphysik und eliminieren sie Demotivatoren. Dann setzt Bewegung druckfrei ein.

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